29.04.2014 – Erg Chebbi & Tinerhir

Hallo zusammen,
wir sitzen gerade in Tinerhir am Eingang zur Thodra-Schlucht in einer Oase beim Camping „Le Solei“ und warten auf unsere Tajine, welche gerade frisch für uns zubereitet wird.

27.04.14 – Erfoud – Erg Chebbi

Heute ging es in die Sandwüste!
Wir starteten gegen 11:00 Uhr Richtung Erfoud. In der Stadt wimmelte es nur so von Fahrrädern, Eselskarren, Autos und Fußgängern. Und wir mittendrin auf der Suche nach der Piste (= grobe Schotterstraße) in Richtung Merzouga.

Nachdem das Verkehrs-Chaos überwunden war, mussten wir die Müllfelder von Erfoud durchqueren und schon waren wir auf der Piste.
Hier wird der Müll anscheinend einfach vor den Stadtmauern abgelegt. Der Wind verteilt dann Plastiktüten und ähnliches in großem Umkreis. Schon schlimm anzusehen mit unserem Deutschen Umweltbewusstsein.

Wobei unser Restmüll ja ebenfalls meistens auf der Müllkippe landet. Wir schaufeln halt noch Erde drüber…
Jedenfalls muss man beim Durchfahren darauf achten, keine Tüte mit dem Kühlergrill aufzusammeln, was uns auch gelang.

Nach ein paar Kilometern wurde die Piste immer schlechter und verwandelte sich in eine Wellblech-Piste. Wir stoppten und ich musste zum ersten Mal auf unserer Reise den Luftdruck absenken.

Mit knapp 66% des Luftdrucks ging es nun kompfortabler über die Kuppen des Wellblechs. Wichtig hierbei: Entweder man durchfährt jeden Buckel mit 10-15 km/h oder man fliegt mit mindestens 75 km/h von Kuppe zu Kuppe.

Wir entscheiden uns für die 2. schnellere Variante. Wie die meisten anderen auch.

Auf einmal sehen wir die großen Dünen am Horizont. Es werden munter Fotos gemacht und die Stimmung ist am Steigen.

Nach einigen Kilometern fahren wir einfach von der Piste ab und fahren Querfeldein zum Sand.
Traumhaft! Jetzt sind wir also in der Sahara und stehen im orange-braunen Sand. Wahnsinn!!!

Wir machen mal wieder munter Fotos und fahren ein bisschen durch die leichten Dünenanfänge.
Tief wollen wir ohnehin nicht hinnein, denn wir sind ja alleine unterwegs.
Selbstverständlich schauen wir vor dem Befahren zu Fuß, dass auch die Dünenrückseite keine bösen Überraschungen für uns bereit hält und nicht z.B. im Dünentrichter endet.

Schneller als wir es uns denken können, passiert es auf einmal. Wir fahren über einen leichten Hubbel in ein kleines Dünental.
Ich dirigiere Schorsch nach links entlang der beginnenden Steigung und auf einmal werden wir langsamer.
Schneller als ich reagieren kann, sitzen wir dann auch auf dem Sand auf.

Ende – nichts geht mehr.

Keine 5x hoch und runter gefahren und schon stehen wir hier. Also dann, Schaufel runter und los.
Wir schaufeln abwechselnd den Sand unter dem Auto heraus.

Das Thermometer steht bei 37° im Schatten, aber durch den Wind ist es einigermaßen erträglich. Wir schaufeln in der Sonne. Aber man gewöhnt sich daran. Wir trinken viel und es ist auch recht schnell geschafft.

Die Sandbleche werden vom Dach heruntergeholt und vor den hinteren Rädern platziert.
Viel habe ich darüber schon gelesen und nachgedacht, jetzt war es also endlich soweit. Die Theorie wird plötzlich sehr praktisch.

Also dann, ein letzter Gang um den Wagen, alles passt.

Nicole schaut von der Seite, dass wir uns nicht noch mehr eingraben.

Ich setze mich hinter das Steuer, lasse ihn an. Das Verteilergetriebe wird in die Untersetzung geschaltet, das Mittel- und das Hinterdifferential wird gesperrt und los geht es.

Schorsch hüpft leichtfüßig mit Schwung aus dem Sandloch und nimmt Fahrt auf.
Ich fahre einige Meter weiter. Geschafft, wir stehen auf hartem Boden.

Also alles wieder verstauen und weiter gehts.

Erdmännchen in Marokko. Oskar und Emma on Tour 🙂

Wir fahren in Richtung Mezouga. Auf der Openstreetmap-Karte des Navis sehe ich auf einmal einen See.
Ein See? Mitten in der Wüste?

Wir beschließen dort hin zu fahren.
Allerdings soll es über eine Piste zur Rückseite des Sees gehen. Vorne sind bestimmt nur wieder „Parkwächter“ welche die Hand aufhalten.

Also geht es los. Wir ziehen eine riesige Staubfahne hinter uns her und nähern uns immer mehr dem „See“.

Dort angekommen, ist es zwar etwas grüner, aber von Wasser ist weit und breit nichts zu sehen.
Vielleicht ist er nur im Winter gefüllt. Wer weiss?

Auf dem Weg zurück zur eigentlichen Piste, wechseln Nicole und ich die Plätze. Sie sitzt jetzt auf dem Kapitänssessel und fährt die schwere Fuhre durch Sand und Geröll.

Nach kurzer Einführung, rechts Gas, links Bremse läuft es dann auch ganz gut.
Sie hat richtig spaß und ich bin am Filmen 🙂

Nach etwa 15 Minuten wechseln wir wieder die Plätze und es geht weiter in Richtung Dünen.

Den Platz, an welchem wir uns am Mittag festgefahren haben, hatte ich im Navi gespeichert. Er schien mir ein perfekter Übernachtungsplatz zu sein.

Wir fuhren wieder dort hin zurück.

Kaum angekommen, dauerte es keine 3 Minuten und schon kam ein Berber auf dem Mopped vorbei.
Er bot uns Kameltrekking und Übernachtungen im Berberzelt an.
Ich lehnte dankend ab. Und verwies ihn auf die nächsten Tage.
Er verschwand.

Ungefähr 30 Minuten später erschien ein weiterer Berber, diesmal barfuß.

Er sprach Deutsch wie fast alle Touri-Geier in dieser Gegend.
Wir hielten etwas Smalltalk. Viele lange Pausen. Seine Anwesenheit war nicht erwünscht, dass war ihm wohl nicht klar.

Nicht erwünscht? Ja, denn er trug einen Rucksack mit sich herum und wir wussten schon wie es weitergeht.

Irgendwann kam er dann mal auf den Punkte. Fossilien und Mineralien. War klar..

Gut, nach langer Verhandlung mit eingerosteten Fähigkeiten meinerseits wurden wir uns irgendwann mit einem kleinen Stück einig und er verschwand.

So endlich, haben wir ein Stück Wüste für uns. Dachten wir zumindest.

Der Sonnenuntergang nahte und wir beschlossen auf eine höhere Düne zu wandern.
Oben angekommen, sahen wir, dass auf fast jedem Gipfel ein Grüppchen sitzt. Wo noch keiner war, war die Kamelkarawane mit Touris noch am Aufstieg.
Überall waren sie unterwegs.

Wir ahnten nichts Gutes. Nach einiger Zeit zog sich der Himmel zu. Also gibt es heute wohl keinen schönen Sonnenuntergang. Wir steigen wieder zu Schorsch hinnab.

Kaum am Auto angekommen, sehen wir von weitem auf einmal den nächsten Berber, der auf dem Weg zu uns ist. Natürlich mit Fossilienrucksack.

So, uns reicht es hier für heute. Wir beschließen spontan wieder zum Campingplatz zu fahren, da man hier im 30 Minuten Takt belagert wird.

Also schnell rein ins Auto, Motor an und los gehts.

Wir müssen am Berber vorbeifahren. Okay, wir fahren los.
Es läuft gut, wir kommen voran. Doch dann passiert es, wir werden immer langsamer.
Schorsch gräbt sich im weichen Sand ein. Wir bleiben genau vor den Füßen des Berbers tief im Sand stecken.
Dann kommt es mir. Wir haben den Luftdruck nach der Schotterpiste nicht mehr weiter gesenkt.

Noch bevor ich ausgestiegen bin, fängt er an unser Auto freizubuddeln. Mit den Händen.
Ich versuchte ihn zu stoppen, doch er war schwer am Wühlen.

Also nahm ich die Schippe und machte mit.
Nicole machte Bilder und beobachtete das Umfeld.

Der Berber hieß Yussif und war eigentlich ganz nett, dass er uns aus reiner Höflichkeit half, erwarteten wir nach unseren Erfahrungen natürlich nicht. Wir wussten es natürlich nicht, aber der Verdacht liegt nahe. Also machten wir einfach weiter.

Wir schaufelten den Unterboden und die Reifen wieder frei, ich nahm die Sandbleche vom Dach und gab sie Yussif, er platzierte sie vor den hinteren Reifen. Den Luftdruck senkte ich nochmal ordnentlich ab. So der Versuch steht an.

Beim Versuch ist es dann geblieben. Ich gab Gas und Schorsch wühlte sich vorne noch tiefer in den Sand. Nicole rief Stop!

Okay, wieder graben. Die Bleche legten wir nun vorne unter.
Irgendwann beim Buddeln legte Yussif dann auch los. Er habe Fossilien usw.. Ich sagte ihm das 45 Minuten vor ihm schon jemand da gewesen ist und das wir nichts mehr brauchen. War dann auch in Ordnung. Er rechnete bestimmt schon mit etwas Geld für das Buddeln.

Nun gut, nächster Versuch. Letzter Gang um den Wagen, alles passt.
Motor an, Sperren wieder rein und los gehts. Schorsch hüpft aus der Sandgrube und ich werde immer schneller.
Ich fahre bis auf den festen Boden. Geschafft. Nun zurück und Sandbleche und Schippe holen.

Ich verstaue die Sandbleche und die Schaufel. Yussif bietet sich nun als Führer für den nächsten Tag an und lädt uns zum Essen zu seiner Familie ein. Wir vertrösten ihn und sagten wir überlegen es uns.

Jetzt noch 20 Minuten wieder Luft auf alle Reifen pumpen und ein Ende ist in Sicht.

Wir sitzen noch etwas im Sand und unterhalten uns mit Yussif. Ich gebe ihm irgendwann 50 Dirham (~5 Euro) für seine Hilfe.
Er hat zu keiner Zeit danach gefragt. Ich gehe davon aus, dass er gefragt hätte, aber wissen tue ich es nicht.
Er hat sich jedenfalls bedankt und war zufrieden.

Er war eigentlich dann ganz Sympatisch. Wir machen noch ein paar Fotos und verabschiedeten uns.

Die Situation war für uns schon etwas verrückt. Wir wollten ja eigentlich vor ihm fliehen und bleiben genau vor ihm im Sand stecken. Sachen gibt’s…

Nun gut, es ist mittlerweile etwas dunkel geworden. Hier in den dicht besiedelten Dünen wollen wir nicht übernachten. Wir rechnen noch mit weiteren Fossilienbesuchern.
Vor allem am Morgen oder beim Essenkochen wäre das nicht so toll.

Also geht es noch über eine kleine Miniaturdüne. Diesmal wieder mit vollen Reifen. Schorsch wühlt wie wild im Sand und ich sehe uns schon wieder buddeln.
Doch dann hat jemand Erbarmen mit uns und ich merke wir werden wieder schneller. Wir haben es geschafft!

Wir fahren also über die holprige Piste zu unserem Campingplatz der letzten Tage nach Erfoud zurück.
Das Dachzelt steht in Rekordzeit, das Essen (Käse-Makkaroni) ist schnell gemacht und wir fallen müde ins Bett.

Was für ein Tag! Auch wenn es sich nach viel Arbeit und Stress anhören mag, es waren doch sehr schöne Eindrücke.

Nicole & Christian auf Arabisch

Jedenfalls wurden uns etwas die Augen geöffnet. Einsamkeit in den Dünen des Erg Chebbi ist wohl richtige Glückssache. Überall hüpfen ein paar Quads, Motorräder oder Geländewagen durch die Dünen. Zum Teil mit sportlichem Ehrgeiz.
Kamelkarawanen werden durch die Dünen geführt und viele Verkäufer kommen sogar zu Fuß vorbei.

28.04.14 Erfoud – Erg Chebbi – Tinerhir (Thodra-Schlucht)

Wir stehen gegen 8:00 Uhr auf und machen uns pistentauglich.
Wir wollen nochmal zum Erg Chebbi etwas in den Sand. Schließlich hatten wir ja gestern viel Pech und wir konnten noch nicht einmal unsere Flaschen mit Saharasand füllen.

Also ging es dann auch los. Wieder durch das Treiben in Erfoud über die bekannten Müllfelder direkt zum Sand.
Diesmal fahren wir querfeldein direkt zum nördlichsten Rand der Dünen. Hier ist es menschenleer. Der Luftdruck wird direkt von 4,2 auf 1,8 abgesenkt und nun kann es losgehen.
Wir befahren ein paar kleinere Hügel, allerdings mit Bedacht. Nichts hohes, denn wir sind alleine unterwegs.

Wir füllen unsere Flaschen und genießen diesmal die Ruhe. Es ist mucksmäuschenstill! Einfach traumhaft!

Allerdings zeigen uns die Kamelknüttel auf dem Boden, dass hier auch die Kamelkarawanen durchkommen.

Nach ein paar schönen Stunden pumpe ich wieder den richtigen Luftdruck für die Steinpiste auf die Räder. Nicole sammelt währenddessen sehr schöne Steine. Sie kann den Fosillienhändlern jetzt fast Konkurenz machen!

Es geht über die Piste zurück nach Erfoud und dann in den hohen Atlas nach Tinerhir. Das Thermometer wechselt den ganzen Tag über zwischen 34,5 und 35 Grad. Die Klimaanlage arbeitet an der Belastungsgrenze.
Es ist trotzdem glühendheiß im Wagen. Die Steine der umherliegenden Wüste strahlen die Hitze von allen Seiten auf uns herab. Lediglich ab und an gibt es ein paar Palmen am Wegesrand.

In den durchfahrenen Ortschaften, scheint das Leben still zu stehen.
Es sind kaum Menschen auf der Straße, und wenn dann sitzen sie im Schatten an den Häuserwänden.

In Tinerhir gehen wir dann noch in einem „Supermarkt“ einkaufen. Supermarkt ist deshalb in Gänsefüßchen geschrieben, da unser kleiner Spar-Laden zu Hause um einiges größer ist. Der Laden bemisst etwa 6×6 Meter. Das Warensortiment ist schnell beschrieben: Wasser, Softdrinks, Chips, Konserven, Nudeln, Couscous, Reinigungsmittel (1-2), Brot und ein Kühlschrank mit Saft und Joghurt. Aber so ist das hier. Fleisch gibts beim kleinen Metzger, Gemüse am Gemüsestand usw..
Aber halt, war es das schon? Im Reiseführer steht, es gebe hier auch Alkohol.
Aber wo? Ich frage nach und werde hinter den Tresen gebeten.
Ich verschwinde mit dem Inhaber in einem durch eine dicke Metalltür verschlossen Hinterzimmer. Hier steht ein normaler Kühlschrank gefüllt mit Bierdosen. Daneben noch ein kleines Regal mit Rotwein.

Ich nehme 4 Dosen Bier à 30 Dirham (~3 Euro) – heftig.
Aber es schmeckt wenigstens ganz gut.

Das Bier wird in einer schwarzen Tüte verpackt. Es darf halt keiner sehen.
An der Kasse wird unser „Großeinkauf“ in die Kasse getippt.

Während dem Kassieren verwickelt uns ein Einheimischer in ein Gespräch.
Er spricht Deutsch…

Nach dem Bezahlen wollen wir gehen, ich nehme unsere Tüten und auf einmal meint der Einheimische moment, ich hätte seine Tüte.
Ich verneine dies, nehme sie ihm ab und öffne sie. Darin sind unsere 4 Dosen Bier für 12 Euro!
Der Verkäufer klärt es dann auch auf und der andere tut so als habe er sich geirrt.

Die Situation war eher lustig als brisant, aber es zeigte wieder, man muss immer auf der Hut sein.

Jetzt sitzen wir hier in der Oase und haben unsere Tajine schon zu uns genommen. Es schmeckte ausgezeichnet.
Eine Tajine, wie wir sie heute aßen, ist eigentlich nichts anderes als gebratene Hackbällchen mit Zwiebeln, Paprika, Kartoffeln und Zuchini gegart in einer Art Römertopf, der Tajine.

Morgen wollen wir durch die Thodra und die Dadesschlucht fahren.

Liebe Grüße
Nicole und Christian

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